Die Geschichte des Verbandes

Caritas – Not sehen und handeln

Eine solche Persönlichkeit auf katholischer Seite war Bernhard Itzel, einer der beiden Kapläne von St. Bonifatius, der damals einzigen katholischen Kirchengemeinde in Gießen. Zunächst im Auftrag seines Pfarrers Karl Deuster, dann in eigener Verantwortung nahm sich Bernhard Itzel der Hungernden und Notleidenden in seiner Gemeinde an und kümmerte sich um die Heimatvertriebenen im weiteren Umkreis von Gießen. Ende 1946 rief der Bischof von Mainz, Dr. Albert Stohr, die Gemeinden dazu auf, „die Caritas zu intensivieren“. Bernhard Itzel wurde zum ersten Caritasdirektor in Oberhessen und stellte sogleich die ersten beiden hauptamtlichen „Fürsorgerinnen“ an. Damit nahm die organisierte Caritasarbeit in Gießen ihren Anfang.

 

In den ersten Jahren war die Betreuung der zahlreich in Gießen ankommenden Heimatvertriebenen ein Schwerpunkt der gemeindlichen Caritasarbeit. Ehrenamtliche und später auch vermehrt hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bauten nach und nach Einrichtungen und Dienste auf, die den Menschen in Not Hilfe und Zuversicht gaben. Dabei bewiesen die Verantwortlichen Wagemut und Beharrlichkeit, diese dringend benötigten Unternehmungen trotz aller finanziellen und personellen Unsicherheiten anzupacken. Bernhard Itzel würde sagen: "Ohne Gottes Hilfe hätten wir das nie geschafft!"

 

Am 8. Oktober 1956 wurde der Caritasverband Gießen e.V. für die katholischen Dekanate Alsfeld, Gießen, Wetterau-Ost und Wetterau-West mit eigener Rechtsfähigkeit gegründet. Die Aufgaben der Caritas hatten sich bereits gewandelt. Die unmittelbare Not der Menschen war nicht mehr so gewaltig wie in der Zeit vor der Währungsreform des Jahres 1948. Die Möglichkeiten der Hilfe, vor allem im Hinblick auf ratsuchende, auf erholungs- und pflegebedürftige Menschen, waren bereits vielfältiger und erheblich besser geworden.

 

Caritas damals

  • …war Dienst direkt am Menschen in tiefer Not zu jeder Tages- und Nachtzeit.
  • Finanzielle Mittel standen überhaupt nicht oder nur sehr dürftig zur Verfügung.
  • Die Not war vielfältig. Der Kreativität, diese zu lösen, waren keine Grenzen gesetzt.
  • Es waren ehrenamtliche Helferinnen und Helfer da, die sowohl privat als auch in Vereinen oder Verbänden organisiert waren.

 

Caritas heute

  • …ist ein gewachsener Wohlfahrtsverband
  • Der Verband arbeitet professionell und verfügt über ein gut ausgebautes Netz von sozialen Einrichtungen und Beratungsdiensten.
  • ca. 640 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind für Ratsuchende und Hilfebedürftige da. Sie werden unterstützt durch ca. 200 ehrenamtlich Mitarbeitende