Sorgen sich um die Zukunft der Psychosozialen Kontakt- und Beratungsstellen: (v.l.) Ulrich Dorweiler und Taraneh Ghasemi von der Caritas sowie Jutta Becker und Robert Kemnade vom VPsT.Quelle: Caritasverband Gießen
Die Zuwendungen des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen (LWV) an die Träger reichen bei weitem nicht mehr aus, um das Angebot dauerhaft zu finanzieren. "Sollte sich an der Finanzierung nicht bald etwas ändern, droht längerfristig die Schließung dieser Beratungsstellen", sagen Caritasdirektor Ulrich Dorweiler und VPsT-Vorständin Jutta Becker.
"Durch die Krisen der letzten Jahre erleben wir eine deutliche Zunahme von Ratsuchenden, die psychische Probleme haben. Für sie bieten die PSKB von Caritas und VPsT niedrigschwellig Beratung an. Die Wartezeiten werden immer länger", berichtet Taraneh Ghasemi, Bereichsleiterin Beratung und Soziale Dienste beim Caritasverband Gießen. Schon lange ist es nicht mehr möglich, die Quote von einer Vollzeitfachkraft pro 50000 Einwohner, die der LWV in seiner Finanzierungssystematik ursprünglich festgelegt hatte, zu erreichen. Der Versorgungsbedarf in Stadt und Landkreis Gießen kann nicht mehr abgedeckt werden.
Die Finanzierung
Das Land Hessen hat sich seit 2005 aus der Finanzierung zurückgezogen und sie schrittweise auf den LWV übertragen. Diese Zuwendung wurde jedoch nicht dynamisiert. Seit 2024 bekommt der jeweilige Träger pro Einwohnerin bzw. Einwohner 0,52 €. Sie bleibt also seit 2024 für die nächsten Jahre gleich, die Kosten wie beispielsweise Tarifsteigerungen für Personal steigen aber kontinuierlich. Schwankungen der Einwohnerzahl können sich ebenso auf den Betrag, den die Träger erhalten, auswirken. "Nach jetzigem Stand müssen wir als Träger 2026 ein Drittel der Kosten selbst tragen", sagt Ghasemi. Beide Träger haben somit eine deutliche Belastung durch die aufzubringenden Eigenmittel.
Schon in den vergangenen Jahren wurde bei der Caritas Personal abgebaut, um die Kosten zu reduzieren, was dort aber die Wartezeiten verlängerte. Dennoch konnten bei der Caritas 2024 258 Menschen beraten werden. Im VPsT wurden 2024 370 Personen beraten, berichtet Bereichsleitung Robert Kemnade. Die Zahlen stiegen in den vergangenen Jahren kontinuierlich an. Eine weitere Reduzierung der Kosten durch Personalabbau wird dem Versorgungsbedarf in der Region noch weniger gerecht werden, betont Caritasdirektor Dorweiler.
Das Angebot
Die beiden PSKB der Caritas und des VPsT helfen bei drohender psychischer Erkrankung, in Lebenskrisen, vor und nach einer ambulanten, teilstationären oder stationären Behandlung einer psychischen Erkrankung und bei Problemen in Partnerschaft und Familie aufgrund der Erkrankung. Ergänzt wird die Beratung unter anderem durch das Betreute Wohnen für psychisch erkrankte Menschen der Caritas, das Betreute Wohnen für psychisch oder suchterkrankte Menschen des VPsT und das Café Kunterbunt, einem Treffpunkt für psychisch erkrankte Menschen, ihre Angehörigen und Freunde. Im VPsT bestehen zudem momentan drei sehr gut besuchte Gesprächsgruppen und eine Freizeitgruppe für Menschen mit psychischen Problemen in verschiedenen Altersgruppen.
Diese Angebote können, wenn sie frühzeitig präventiv erfolgen, oft eine Zuspitzung der Erkrankung oder eine Chronifizierung verhindern. Das erspare hohe Folgekosten im Gesundheitswesen und auch in der Wirtschaft durch Ausfall von Arbeitskräften, betonen Caritas und VPsT. Das niedrigschwellige Angebot erleichtere zudem die langen Wartezeiten für einen Therapieplatz und stelle eine sehr gute stabilisierende Unterstützung und Entlastung für die Klientinnen und Klienten dar. Darum sei die mangelnde finanzielle Ausstattung der PSKB durch den LWV kurzsichtig, sagt VPsT-Vorständin Becker.
Die Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen e.V. hat in einem Schreiben an den LWV eine "auskömmliche Finanzierung" und eine "kurzfristige Dynamisierung der Fördermittel seitens des LWV" gefordert. Dies fordern auch der Caritasverband Gießen und der VPsT.
Quelle: Caritasverband Gießen und VPST