Berichteten über 30 Jahre ambulante Hospizarbeit beim Caritasverband Gießen (von links): Andreas Fölsing, Minke Bach, Heike Fischer, Peter Fleck und Michaela Augustin-Bill.Quelle: Caritasverband Gießen e.V.
Diese Aufgabe übernehmen heute rund 60 qualifizierte Ehrenamtliche. Sie werden unterstützt von zwei hauptamtlichen Koordinatorinnen.
Andreas Fölsing, Bereichsleiter Alten- und Krankenhilfe, und die Koordinatorinnen Minke Bach und Michaela Augustin-Bill hielten im Gespräch mit der Presse Rückblick auf die 30 Jahre. Als die damalige Koordinatorin Birgit Kurz den Ambulanten Hospizdienst 1996 ins Leben rief, seien Tod und Sterben noch große Tabuthemen gewesen. Menschen seien oft alleine im Krankenhaus gestorben, blickten Minke Bach und Michaela Augustin-Bill zurück. Der Ambulante Hospizdienst wolle dies ändern, damals wie heute: "Hospizarbeit bedeutet für uns, Menschen in einer der verletzlichsten Phasen ihres Lebens zu begleiten - mit Zeit, Aufmerksamkeit und dem Vertrauen, dass niemand diesen Weg allein gehen muss. Zugleich wollen wir zu mehr Offenheit gegenüber Sterben, Tod und Trauer beitragen, denn sie gehören zum Leben."
Der Mensch im Mittelpunkt, nicht die Krankheit
Bei der Sterbebegleitung steht nicht die Krankheit im Mittelpunkt, sondern der Mensch mit seiner Geschichte, seinen Beziehungen und seinen Wünschen. Das heißt, Zeit zu schenken, zuzuhören, Unsicherheiten auszuhalten, Angehörige zu entlasten und gemeinsam den Weg zu gehen, den die Betroffenen selbst bestimmen. Wie das zum Beispiel aussehen kann, schildert Peter Fleck, der als Ehrenamtlicher seit 2018 sterbende Menschen begleitet: "Eine Frau, die aus Grünberg stammte, wollte sehr gern noch einmal den Gallusmarkt dort besuchen. Da habe ich sie und ihren Rollstuhl in mein Auto gepackt und bin dort hingefahren. An diesem Nachmittag hatte sie keine Schmerzen, sie hatte Spaß, es ging ihr gut. Damit habe ich ein Ziel der Hospizarbeit erreicht."
Das Ehrenamt ist keine Einbahnstraße
Um ehrenamtlich in der ambulanten Hospizbegleitung tätig zu sein, müssen Ehrenamtliche einen 100-stündigen Qualifizierungskurs absolvieren. Diese Qualifizierung ist bundesweit anerkannt. Die Ehrenamtlichen seien sehr motiviert und blieben teils über Jahrzehnte in der Sterbebegleitung, berichten Minke Bach und Michaela Augustin-Bill. Warum das so ist, erklärt die Ehrenamtliche Heike Fischer: "Dieses Ehrenamt ist für mich keine Einbahnstraße. Ich bekomme sehr viel zurück. Es bereichert, weil es für die Begleiteten und die Zugehörigen ganz wichtig ist, dass wir da sind."
Die entscheidende Voraussetzung, die Interessierte für dieses Ehrenamt mitbringen müssen, ist die Bereitschaft, sich mit den Themen Trauer, Tod und Verlust auseinanderzusetzen, erklärt Minke Bach. Alter, Geschlecht, Beruf, Religion und Weltanschauung spielen keine Rolle: "So bunt und vielfältig die Menschen sind, die wir begleiten, so vielfältig sind auch unsere Ehrenamtlichen." Der nächste Qualifizierungskurs startet im Oktober. Wer Interesse hat, kann sich bei den Koordinatorinnen melden.
Breites Angebot rund um Tod und Trauer
In den vergangenen Jahren ist das Angebot des Ambulanten Hospizdienstes kontinuierlich gewachsen. Neben der Begleitung einzelner Menschen in der letzten Phase ihres Lebens bietet der Dienst Vorträge und niedrigschwellige Begegnungsmöglichkeiten. Dazu gehören unter anderem Letzte-Hilfe-Kurse gemeinsam mit der Caritas-Sozialstation Gießen, die grundlegendes Wissen und praktische Anregungen für den Umgang mit schwer kranken und sterbenden Menschen vermitteln. An Menschen in Trauer richtet sich von Mai bis September die Trauerbank auf dem Neuen Friedhof Gießen und dem Friedhof Lollar. Von Oktober bis April sind Trauernde zu Trauerspaziergänge um den Gießener Schwanenteich eingeladen. Beide Angebote werden von ehrenamtlichen Trauerbeleiterinnen und -begleitern durchgeführt und sind kostenfrei und offen für alle.
Hat sich durch die Arbeit beim Hospizdienst die Haltung zum eigenen Tod verändert? Bei dieser Frage sind sich die beiden Koordinatorinnen und die Ehrenamtlichen sofort einig: Ja. Man werde gelassener, lerne das Leben neu zu schätzen und vor allem Demut. Gleichzeitig erlebe man, dass zur letzten Lebensphase auch Freude und Lachen gehören.
Beides soll auch beim Jubiläumsfest im Mittelpunkt stehen. Der Hospizdienst feiert sein 30-jähiges Bestehen am 22. August mit Ehrenamtlichen und langjährigen Kooperations- und Netzwerkpartnern mit einem Bühnenprogramm, Musik und viel Zeit für Begegnung und Austausch.
Aktuelle Kurse des Ambulanten Hospizdienstes:
- Qualifizierender Vorbereitungskurs für Ehrenamtliche in Hospizarbeit und Trauerbegleitung
Start: 1. Oktober - Letzte-Hilfe-Kurs für alle Interessierten Wissenswertes zum Umgang mit Sterben, Tod und Trauer
Am 7. November, 10 bis 14 Uhr
Nähere Informationen und Anmeldung: Ambulanter Hospizdienst & Trauerbegleitung, Telefon 0641-686925-156 oder -157
Anmeldung für Hospizbegleitungen
Wer für sich selbst oder einen Angehörigen eine ambulante Hospizbegleitung in Anspruch nehmen möchte, kann ohne ärztliches Rezept oder Überweisung Kontakt mit dem Ambulanten Hospizdienst aufnehmen. Auch Arztpraxen, Krankenhäuser oder Pflegeheime können den Kontakt herstellen. Die Koordinatorinnen kommen dann zu einem Erstgespräch zu dem Menschen, der eine Begleitung wünscht, und besprechen alle weiteren Schritte.