Katrin Frey, Taraneh Ghasemi und Evelyn Engels von der Caritas (2., 3., und 4. v.l.) informierten die Landtagsabgeordneten Daniela Sommer (l.), Nadine Gersberg (2.v.r.) und Oliver Ulloth über die Arbeit der PSKB. Quelle: Caritasverband Gießen
Die Mitglieder des Arbeitskreises Gesundheit Daniela Sommer, Nadine Gersberg und Oliver Ulloth informierten sich über die Arbeit der Psychosozialen Kontakt- und Beratungsstelle (PSKB).
Der Arbeitskreis Gesundheit hat das Thema "Mental Health" zu seinem Jahresthema gemacht und besuchte verschiedene Einrichtungen im Raum Gießen/Marburg. Daniela Sommer, Gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, betonte die Wichtigkeit präventiver Angebote für Menschen mit psychischen Problemen für die Betroffenen. "Wir sollten die präventiven Angebote stärken. Außerdem spart jeder Euro, der in Prävention investiert wird, später acht bis neun Euro an anderer Stelle." Sie verwies aber zugleich auf die schwierige Haushaltslage des Landes Hessen.
Die Angebote der PSKB des Caritasverbandes stellten Taraneh Ghasemi (Bereichsleiterin Beratung und Soziale Dienste), Katrin Frey (Teamleiterin der Psychosozialen Beratung) und Evelyn Engels (Beraterin und Leiterin des Cafés Kunterbunt) den Abgeordneten vor. Die PSKB ist Anlaufstelle für Betroffene und deren Angehörige. Sie ist Teil des Gemeindepsychiatrischen Verbunds Gießen. Die Angebote sind niedrigschwellig, kostenfrei und auf Wunsch anonym. Die PSKB hilft bei drohender psychischer Erkrankung, in Lebenskrisen, vor und nach einer ambulanten, teilstationären oder stationären Behandlung einer psychischen Erkrankung und bei Problemen in Partnerschaft und Familie. Dazu gehören unter anderem Einzelberatung für Betroffene und Angehörige - auch online oder telefonisch - und die Vermittlung an andere Beratungsstellen der Caritas sowie weiterer Anbieter. "Die Angebote der PSKB können, wenn sie frühzeitig präventiv erfolgen, oft eine Zuspitzung der Erkrankung oder eine Chronifizierung verhindern", betonte Katrin Frey. Das niedrigschwellige Angebot erleichtere zudem die langen Wartezeiten für einen Therapieplatz.
Wachsende Zahl an Ratsuchenden
Große Bedeutung für die Klientinnen und Klienten haben außerdem weitere Angebote der PSKB wie die Gruppe für Kinder psychisch erkrankter Eltern, die seit dem vergangenen Jahr neu durch eine Elternbegleitgruppe ergänzt wird, Kontakt- und Freizeitangebote und das Café Kunterbunt, ein Treffpunkt für psychisch erkrankte Menschen. Ein weiterer Schwerpunkt der Abteilung Psychosoziale Beratung ist das Betreute Einzelwohnen (BEW) für psychisch erkrankte Menschen.
Durch die Krisen der letzten Jahre erlebt die PSKB in Gießen eine deutliche Zunahme von Ratsuchenden, die psychische Probleme haben. Die Wartezeiten werden immer länger. Die Abgeordneten sprachen auch die Finanzierungsprobleme an.
Finanzierung langfristig gefährdet
Bereichsleiterin Ghasemi machte deutlich, dass die Zuwendungen des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen (LWV) bei weitem nicht mehr ausreichen, um das Angebot dauerhaft zu finanzieren. Sie deckten nur noch rund 65 Prozent der Gesamtkosten. 35 Prozent müsse der Verband durch Kirchensteuermittel, Spenden und Stiftungsgelder finanzieren. Das Personal wurde bereits reduziert. Sollte sich an der Finanzierung nicht bald etwas ändern, drohe längerfristig die Schließung dieser Beratungsstelle. Problematisch sei vor allem, dass die Zuschüsse des LWV seit 2023 festgeschrieben sind und die Caritas als Träger mit ständig wachsenden Kosten umgehen müsse. Nadine Gersberg antwortete, dass auch in anderen Bereichen die fehlende Dynamisierung der Zuschüsse ein großes Problem sei, das Land aber zurzeit keine Mittel zusätzlich zur Verfügung stellen könne. Sie wünschte sich, dass die Krankenkassen die präventiven Leistungen mitfinanzieren würden.
Daniela Sommer sagte zu, das Thema Prävention für psychische Erkrankungen immer wieder in die politischen Debatten einzubringen. "Unser Ziel ist, die vorhandenen Angebote zu erhalten." Außerdem wolle man prüfen, ob an anderer Stelle nicht abgerufene Gelder zusätzlich in die präventiven Angebote wie die der PSKB investiert werden könnten.